Promotionsprojekt

Auf allen gesellschaftlichen Ebenen herrscht wachsender Konsens, dass eine nachhaltige Mobilitätswende unvermeidbar für deutsche Städte ist und schnell erfolgen muss; zudem gibt es bereits zahlreiche von Expert*innen anerkannte Konzepte und Strategien zur Umsetzung.

Während in den Planungsdisziplinen im Allgemeinen – implizit oder explizit – davon ausgegangen wird, dass Partizipation durch die Berücksichtigung lokalen Wissens und neuer Ideen Planung „verbessert“, zeigen Dokumentation von durchgeführten Verfahren, praktische Erfahrungen in den Kommunen und erste wissenschaftliche Analysen, dass Partizipationsprozesse sich in ihren Effekten stark unterscheiden und nicht zwangsläufig positiv sind. Forschung zu den Wirkungen von Partizipation auf inhaltlicher Ebene existiert bis jetzt nur fragmentarisch; die empirische Forschung zu Partizipationsprozessen wird von Einzelfallstudien dominiert, systematische Vergleiche sind selten.

Verschiedene Wirkungen von Beteiligungsprozessen auf den Inhalt politischer Entscheidungen zu nachhaltiger Mobilität sind denkbar: sie könnten einen positiven Effekt haben, da neues Wissen eingebracht wird oder der Fokus des Plans verschoben wird; es könnte sein, dass der Inhalt nicht beeinflusst wird oder Beteiligung könnte sogar einen kontraproduktiven Effekt haben, wenn beispielsweise eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner erfolgt oder wenn öffentlicher Druck gegen nachhaltige Lösungen durch den Beteiligungsprozess auf die politische Entscheidung wirkt. Die jeweilige Wirkung hängt von Faktoren im Kontext und im Prozess ab. Die Frage, die ich beantworten möchte, ist somit die nach dem Einfluss von Bürger*innenbeteiligungsprozessen auf die substantielle Nachhaltigkeit von politischen Entscheidungen für eine Mobilitätswende, und nach den Faktoren, die diesen Zuwachs oder Abnahme von Nachhaltigkeit beeinflussen.

Diese Frage ist nicht nur relevant, weil Bürger*innenbeteiligung möglicherweise einen starken – ggf. negativen – Einfluss auf die Nachhaltigkeit von Planung hat, sondern auch weil Beteiligung immer mehr Ressourcen binden, sowohl auf Seiten der Verwaltung als auch der Bürger*innen. Besonders weil eine nachhaltige Mobilitätswende schnell erfolgen muss und Ressourcen knapp sind, ist es wichtig, sich über die voraussichtliche Wirkung eines Beteiligungsprozesses bewusst zu sein und diesen dementsprechend einzusetzen. Um Prozesse und ihre Mechanismen im Detail verstehen zu können, werden intensive Fallstudien das Kernstück der Forschung bilden, wobei die Fälle prozessbegleitend im Detail nachvollzogen und verglichen werden sollen. Dabei wird eine Mischung aus qualitativen und quantitativen Methoden zum Einsatz kommen, unter anderem teilstrukturierte Interviews, Panelbefragungen, Regressionsanalysen und Inhaltsanalysen.